Aus einem andern Blickwinkel

Hallo ihr lieben, um mich kurz vorzustellen: Ich heiße Maike und bin Julianes beste Freundin. Leider hab ich nicht mehr in den Koffer gepasst und musste zuhause bleiben. Obwohl ein Gepäckstück mehr bestimmt nicht aufgefallen wäre…
Den Abschied haben wir beide dann mit Tränen über Tränen überstanden, nachdem wir mega lange am Flughafen gewartet haben und nun ist sie am anderen Ende der Welt.
Hier zuhause läuft eigentlich alles wie immer, nur, dass ich mehr Langeweile habe als vorher. Jetzt fehlt jemand mit dem man sinnlos durch die Gegend fahren kann und über alles quatschen kann was einem grade so durch den Kopf geht – egal was für bescheuerte Ideen oder Gedanken das sind. (und ja wir fahren, weil wir zu faul zum laufen sind)
Es ist aber auf jeden Fall ein komisches Gefühl, mit Juliane zu schreiben und zu snapchatten wie immer, und dabei hockt sie in Bolivien und ich im lahmen Deutschland ☹
Auch das mit der versetzten Zeit ist eine ziemlich komische Angelegenheit. Jetzt wünschen wir uns zwar immer noch Guten Morgen oder Gute Nacht, aber das stimmt immer nur bei einem von uns beiden ☺
Dann kommt dann sowas  wie: „Hier ist zwar noch keine Nacht, aber trotzdem gute Nacht.“
Aber darüber kommt man hinweg.
Viel schlimmer ist es, dass ich sie jetzt erstmal ziemlich lange nicht sehe. Aber dafür erlebt sie Erfahrungen die Ihr keiner nehmen kann und wenn sie wiederkommt, dann warten wir alle und ich bin die erste die schreiend durch den Flughafen läuft um sie zu umarmen und tot zu quetschen!
Bis dahin spare ich um hoffentlich eine Reise nach Bolivien finanzieren zu können.
Damit verabschiede ich mich bei euch, lest fleißig alle Blogeinträge von Juliane und vielleicht rutscht ja nochmal einer von mir dazwischen. ☺
Bis dann, Maike !
P.s. Ich bin so stolz auf dich Juliane!

 

 

 

Die erste Woche.

Am 11.08. hat mein Abenteuer endlich gestartet. Der Tag, auf den ich mich schon seit vielen Monaten gefreut habe, war endlich da. Mit gemischten Gefühlen ging es mit Mama, Papa und meiner besten Freundin zum Frankfurter Flughafen, wo vier Freunde auf mich gewartet haben. Am Flughafen habe ich dann nach einem Monat endlich wieder meine Mitfreiwilligen getroffen. Schweren Herzens und mit sehr vielen Tränen musste ich mich von meinen Eltern und meiner besten Freundin verabschieden.

Wegen Problemen mit dem Visum hat sich der Check-In extrem lange hingezogen. Im Anschluss an den stundenlangen Check-In konnten wir, endlich, zur Sicherheitskontrolle, bei der ich mich dann, unter erneuten Tränen, von meinen weiteren Freunden verabschieden musste.

Nachdem meine Tränen getrocknet waren, ging es dann auch schon in den Flieger nach Madrid, wo wir kurz Zeit hatten, um etwas zu essen. Von dort aus ging es dann weiter ins zwölf Stunden entfernte Santa Cruz, wobei die zwölf Stunden schnell vorbei gingen. Als wir dann endlich im warmen Santa Cruz angekommen waren, wurden wir von den Leitern des BKHW’s in typisch bolivianischen Bussen, sogenannten Micros, abgeholt. Diese brachten uns dann ins Hotel, in welchem wir die nächsten Tage das Ankommensseminar hatten.

Sonntags ging es dann mit Bussen in unsere Städte. Meine Stadt, das schöne Sucre, erreichten wir nach 14 Stunden Busfahrt. Unser Vermieter holte mich und meine Mitbewohnerin am Busbahnhof ab. Von dort aus fuhren wir gemeinsam zu unserem Haus. Im Garten erwartete uns eine riesige Baustelle. Das Haus ist sehr klein, eigentlich für nicht mehr als eine Person, aber in einem Monat soll die Baustelle fertiggestellt werden und ein geräumiger Anbau für mehr Platz sorgen.  In unserem Haus fehlt es uns, leider, an sehr vielen Dingen, trotzdem versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen.

In meiner ersten Woche, hier im ärmsten Land Südamerikas, habe ich viel erlebt, viel gelacht und vor allem eine schöne Zeit verbracht. Am Dienstag werde ich anfangen zu arbeiten, worauf ich mich schon freue.

Die letzten Tage…

Bald ist es soweit. Dies sind für mich die letzten Tage in Deutschland. Am 11.8.2016 werde ich meinen Freiwilligendienst, mit dem Bolivianschen Kinderhilfswerk,  antreten. Ich werde von Frankfurt aus nach Santa Cruz fliegen. Dort werden ich mit meinen Mitfreiwilligen ein dreitägiges Seminar haben. Anschließend werden wir in unsere Städte gebracht. Ich werde nach Sucre gebracht, wo ich ein Jahr verbringen werde. In meiner Zeit als Freiwillige werde ich im Projekt Instituto Psicopedagogico Ciudad Joven San Juan de Dios arbeiten. Mein Projekt beschäftigt sich mit geistig und körperlich behinderten Kindern, die lange von der bolivianischen Gesellschaft ausgeschlossen wurden.

Für mich persönlich sind jetzt die letzten Tage schlimmer, als der eigentliche Abschied. Denn jetzt wird mir erst richtig bewusst, was ich alles für ein Jahr hinter mir lassen muss. Meine Familie, meine Freunde, meine Arbeit. Selbst die kleinsten banalen Dinge muss ich hinter mir lassen. Die Wäsche, die meine Mutter für mich gewaschen hat. Das Essen, was sie mir jeden Tag gekocht hat. Das Feiern gehen mit meinen Freunden. Oder einfach mit der besten Freundin irgendwo hinfahren. Das alles werde ich für ein Jahr nicht mehr haben. Aber ich glaube es sind genau diese Dinge, die einen im Jahr reifen lassen.

Ständig bekomme ich die gleichen Fragen gestellt. „Bist du aufgeregt?“ „Freust du dich?“Aber eigentlich habe ich keine Antwort auf diese Fragen. Denn ich weiß es selber nicht so genau. Klar freue ich mich, aber ich habe auch dieses mulmige Gefühl im Magen, weil ich alle Menschen, die ich liebe verlassen muss. Und dann bekomme ich noch so Dinge gesagt wie „Was mache ich nur, wenn du weg bist?“ „Wie halte ich das nur ohne dich aus?“. Auf solche Aussagen, weiß ich nie was ich sagen soll. Es ist zwar lieb von den Menschen gemeint, aber man selber ist überfordert und weiß gar nicht was man dem gegenüber antworten soll. Ich habe meistens nur mit einem „Ich weiß es nicht.“ geantwortet.

„Ich werde dich so vermissen“- ist der Satz, den ich in letzter Zeit am meisten gehört habe. Natürlich werde ich meine Familie und all meine Freunde vermissen. Aber ich denke, dass irgendwann im Leben der Punkt gekommen ist an dem man einfach nur an sich selbst denken sollte, um seine eigenen Träume zu verwirklichen.

Während meiner letzten 5 Tage werde ich viel mit Freunden machen, Essen gehen, Abschied nehmen, und somit auch viele Tränen vergießen, aber auch einfach meine letzten Tage hier genießen.